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Heft 3/2017: Flucht und Bildung

Fragen von Bildung und Migration erfahren in vielen sozial- und humanwissenschaftlichen Disziplinen in den letzten Jahren in Deutschland zunehmende Aufmerksamkeit. So sind z.B. im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojekts „Flucht: Forschung und Transfer“ (BICC/IMIS 2017) 500 Forschungsprojekte in Deutschland ermittelt worden, und dem disziplinübergreifenden „Netzwerk Flüchtlingsforschung“ gehören derzeit mehr als 250 Forschende an (Netzwerk Flüchtlingsforschung o.D.). Allerdings handelt es sich vielfach um kurzfristig angelegte und geförderte Projekte, so dass zwar von einem großen Interesse, aber (noch) nicht von einer kontinuierlichen Forschung und dem Aufbau entsprechender Expertise gesprochen werden kann.

Dieser Befund gilt auch für die Erziehungswissenschaft. Seit 2015 ist „Flucht und Bildung“ hier ein vermehrt beachtetes Thema, auch über die Teildisziplin Interkulturelle Pädagogik hinaus. Allein im Jahr 2016 haben mehrere erziehungswissenschaftliche Fachzeitschriften Schwerpunkt- oder Sonderhefte zum Thema Flucht und Bildung veröffentlicht, und weitere erscheinen – wie das vorliegende Heft – in diesem Jahr (siehe Stamann 2017). Disziplinbezogen wie auch disziplinübergreifend gab und gibt es eine Vielzahl von Konferenzen, Arbeitstagungen und Workshops, auf denen die ersten oder auch schon abschließende Ergebnisse von Forschungs-, Evaluations- und Lehr-Forschungsprojekten vorgestellt und diskutiert werden. Die Jahrestagung „Flucht und Bildung“ der Kommission Interkulturelle Bildung (KIB) der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) im Februar 2017 war eine gute Gelegenheit, um sich ein Bild von der Vielfalt der Themen, methodischen Zugänge und damit auch vom Stand der Forschung zu den Folgen von Flucht für den Bereich von Bildung und Erziehung zu machen.

Sucht man jedoch nach erziehungswissenschaftlichen Publikationen zu Flucht und Bildung vor 2015, so ist das Ergebnis ernüchternd; zu finden sind lediglich einige sozialpädagogische Beiträge, insbesondere zur Situation minderjähriger (unbegleiteter) Flüchtlinge, einschließlich eines für das Arbeitsfeld „Soziale Arbeit mit Kinderflüchtlingen“ konzipierten Handbuchs sowie einzelner Publikationen, u.a. aus zwei Forschungsprojekten, die im Rahmen des Hamburger DFG-Sonderforschungsbereichs „Umbrüche in afrikanischen Gesellschaften und ihre Bewältigung“ durchgeführt worden sind. Es scheint, als seien Flucht und ihre Folgen für Bildung und Erziehung in Deutschland ein neues Thema und nicht Teil der Geschichte der Schule und der Pädagogik. Noch schwieriger wird es, wenn man nach Publikationen sucht, in denen frühere Fluchtzuwanderungen nach Deutschland und deren bildungspolitische wie pädagogische Auswirkungen im Bereich von Bildung und Erziehung untersucht werden. Eine entsprechende Durchsicht bildungshistorischer Literatur ergibt zwar Publikationen zu Fluchtmigration und Emigration aus Deutschland, vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus, aber nicht zu Flucht nach Deutschland: Weder die Fluchtzuwanderung der verschiedenen Gruppen protestantischer und jüdischer Glaubensflüchtlinge vom 17. bis zum 19. Jahrhundert und die Bildung ihrer Kinder ist seitens der Erziehungswissenschaft untersucht worden noch die Bildungsinitiativen der russischen Flüchtlinge und Emigranten in den 1920er-Jahren – um zwei Beispiele von Fluchtzuwanderung aus dem Ausland zu nennen. Aber auch die schulorganisatorischen, konfessionellen und z.T. auch sprachlichen Probleme in den Schulen infolge der Zuwanderung deutscher und deutschstämmiger Flüchtlinge nach den beiden Weltkriegen waren bisher nicht Gegenstand erziehungswissenschaftlicher historischer Forschung. Mit Blick auf die aktuelle Forschung und Diskussion könnten sie Auskunft darüber geben, ob bzw. in welcher Weise historisch entwickelte Formen des bildungspolitischen und pädagogischen Umgangs mit den unterschiedlichen Gruppen von Geflüchteten weiterhin wirksam sind und gegebenenfalls neue Lösungen verhindern, z.B. in der Frage, warum es bisher nicht gelungen ist, klare und für alle Länder und Geflüchteten einheitlich geltende Regeln bezüglich der Schulpflicht zu vereinbaren und schulorganisatorische, integrative Konzepte zu entwickeln, die das „Wiederaufleben“ alter Maßnahmen unter neuem Namen (z.B. die „Ausländerregelklassen“) verhindern.

In diesem Sinne sind die mit der Fluchtzuwanderung verbundenen Probleme ein (weiterer) Hinweis darauf, was im Rahmen der „Daueraufgabe“ (s.o.) zur Gestaltung von Bildung in der globalisierten Migrationsgesellschaft noch zu beachten ist. Zugleich ist dies ein Hinweis auf die Perspektive, unter der die Beiträge dieses Themenschwerpunkts wahrgenommen werden sollten. Sie bieten Hinweise zur Diagnose und Einschätzung dessen, was derzeit in der Bildungslandschaft als Reaktion auf Fluchtzuwanderung kritisch wie auch positiv zu konstatieren ist, sowie erste Hinweise zur Bearbeitung der diagnostizierten Probleme.

⇒ Übersicht und Abstracts

Im letzten Jahr erschienen: 13. Beiheft der DDS mit dem Thema "Qualifizierung für sprachliche Bildung"

Das 13. Beiheft der DDS befasst sich mit Programmen und Projekten zur Professionalisierung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften. Um die sprachliche Bildung aller Schülerinnen und Schüler - insbesondere derjenigen, die mehrsprachig aufwachsen - systematisch zu fördern, bedarf es unterschiedlicher, auf die jeweiligen sprachlichen Bedingungen angepasster Konzepte. Es müssen Programme und Konzepte entwickelt werden, die alle am Bildungsprozess Beteiligten in diese Aufgabe einzubeziehen erlauben: die Kinder und Jugendlichen, ihre Eltern und vor allem die pädagogischen Fachkräfte im vorschulischen Bereich, die Lehrkräfte und diejenigen, die diese Fachkräfte aus- und fortbilden.

Ausgewählt betrachtet werden in diesem Heft zum einen Programme, die sicherstellen sollen, dass sich alle Lehrkräfte in der Aus- und Fortbildung mit Fragen sprachlicher Bildung befassen, und zum anderen Ergebnisse aus unterschiedlichen (inter-)nationalen empirischen Forschungsprojekten, die u.a. erkennen lassen, wie breit das Spektrum der zu erforschenden Fragestellungen ist, damit forschungsbasiert sprachliche Bildung in der mehrsprachigen Schule vom vorschulischen Bereich an und unter Einbindung aller Akteure gestaltet werden kann.

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Für Bildungswissenschaftler*innen interessant:
"Bildungsforschung - disziplinäre Zugänge" als Special Collection

Mit dem Heft "Bildungsfoschung - disziplinäre Zugänge" beginnt die Zeitschrift DDS mit einer neuen Reihe - den sogenannten "Special Collections". Damit sollen in unregelmäßigen Abständen Beiträge aus der Zeitschrift zu bestimmten Themen gemeinsam veröffentlicht werden, um so auch einem anderen Publikum als den Abonnenten der DDS zugänglich gemacht zu werden. Die Hefte sind als E-Book oder Book on Demand erhältlich.

In der ersten Ausgabe der "Special Collections" werden die Beiträge zusammengefasst, die in den Jahren 2011 bis 2015 in der Reihe "Bildungsforschung – disziplinäre Zugänge" erschienen sind.

Empirische Bildungsforschung ist nicht Gegenstand und Arbeitsbereich lediglich einer einzelnen Disziplin, sondern in hohem Maße interdisziplinär verankert. Beteiligt sind u.a. die Erziehungswissenschaft, die Psychologie mit ihren Teildisziplinen pädagogische Psychologie und Bildungspsychologie, die Bildungssoziologie, die Bildungsökonomie, die Bildungsgeographie oder auch die Politikwissenschaft, soweit sie sich beispielsweise mit Fragen der bildungspolitischen Steuerung befasst, sowie die Rechtswissenschaft. Seit einiger Zeit erheben zudem die Neurowissenschaften den Anspruch, sich empirisch zu Bildungsprozessen äußern zu können.

Damit Ergebnisse empirischer Bildungsforschung breit rezipiert bzw. in einen administrativen und/oder politischen Diskurs eingeführt werden können, ist es wichtig, die jeweils disziplinspezifischen Zugänge zum Gegenstandsbereich und auch die ggf. disziplinspezifischen Begrenzungen zu kennen, um sie angemessen berücksichtigen zu können. Dies will der vorliegende Band mit seinen Beiträgen leisten.

⇒ Zum Inhaltsverzeichnis / Table of Contents

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